Mein Hundeleben

Antonia im Hundebett
Antonia im Hundebett

Da war Antonia. Eine kleine Schäferhündin. Sie war alt und blind. Sie war ein so großer Schatz. Sie war sanft und mutig. Die Sanftmut in Person. Sie starb. Satt und weich gebettet. Ohne Spritze. Einfach so. Um 11 Uhr auf der Wiese. Um 15 Uhr mochte Sie nicht mehr aufstehen. Um 16 Uhr war sie einfach gegangen.

 

Antonia kam aus Spanien. Ein Notfall. Niemand will einen alten, blinden Hund. Ich wollte. Sie war so dünn. So erschöpft. So hungrig. Ungekämmt, mager und stinkend. Dem allem habe ich Abhilfe geschaffen. Wir haben ein kleines Vermögen beim Tierarzt gelassen. Wir haben ihre Würde wieder hergestellt.

 

Entgegen allen Prognosen war Antonia geheilt, gesund und mehr als 22 kg schwer. Bei knapp 15 kg sind wir zu ihrer Ankunft gestartet. Sie hat kurze Zeit ihr Leben genossen. Sie ging als Inhaberin von 7 Hundebetten, unzähligen Kauknochen und als geliebte Freundin.

 

Wie sehr habe ich geweint. Aufrichtig getrauert. Ich hätte ihr so gern noch einen Sommer und einen milden Herbst gewünscht. So sollte es nicht kommen. Ich war mit der sterbenen Hündin in der Tierklinik. Man konnte nichts mehr für sie tun. Ich habe mich verabschiedet und Antonia wieder eingepackt.

 

Im Kofferraum, lag ihr noch warmer Körper. Die Sonne schien. Die Luft war mild. An einer Ampel stand ein Wagen vor mir, der den Aufkleber trug: Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber sinnlos. Ich habe noch mehr geweint. Dennoch entschied ich in diesem Monment in meinem Herzen, dass es das schönste Kompliment für Antonia wäre, wenn es eine Nachfolge gibt.

 

Wenn Menschen sterben, hinterlassen sie ihr Hab und Gut auch den Nachkommenden. Wenn Hunde sterben sollte man alles weggeben und alleine weiter leben? Ich hatte alles, Hundefuttervorräte, Betten und Freude am Hund. Es war klar, dass ein neuer Hund einziehen würde.

 

Daheim suchte ich einen geigneten Platz zur Beerdigung. Auf der Wiese am Haus, wo sie täglich mehrfach freudig drüber geschnüffelt ist, unter den Weidenkätzchen, das schattige Plätzchen. Ihr Nachtbett gab ich mit ins Grab. Eingewickelt in ihre Lieblingsdecke. Den Knochen, den sie am Abend davor noch so freudig und unbekümmert geknabbert hatte. Viel Erde auf das kleine Paket am Boden.

 

Oben darauf sähte ich Sommerwiese an, mit Mohn und anderen bunten Blumen. Die Steine vom gemeinsamen Ostseebesuch wusch ich und malte mit goldenem Edding ihren Namen auf jeden einzelnen. Meine Antonia hat nicht nur einen Grabstein. Meine Antonia hat viele Grabsteine. Meine Antonia blühte diesen Sommer bunt und farbenfroh.

 

Ich kann sie sehen aus dem Fenster. Ich wünsche ihr oft einen Guten Morgen. Sie fehlt. Kloß im Hals. Blick auf die Nachfolge. Es ist so, wie es sein soll.

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Kommentare: 2
  • #1

    Finja (Mittwoch, 28 August 2013 09:13)

    Unglaublich traurig alles.

  • #2

    Anke (Mittwoch, 28 August 2013 09:18)

    Das war es. Ist es noch. Sie ist nicht ersetzbar.