Nachfolge

Adam in der Perrera Gesser
Adam in Gesser

Daheim. Aus dem Fenster ist der frische Erdhügel von Antonias Grab zu sehen. Ich lenke mich ab. Klappe das Notebook auf. Teile der Welt auf facebook mit, was passiert ist.

 

Nur wenige Minuten später wird auf meiner Pinwand ein Bild gepostet. Ein namenloser, bildhübscher Schäferhund, dessen Tötungstermin zwei Tage später angesetzt ist. Keine Angabe wieso, keine Aussage zum Alter, zum Wesen oder zu irgendwas. Eine Perrera in Südspanien. Gesser. Soll schlimm sein.

 

Sein Bild wirkt so freundlich, sein Blick so wach und überhaupt nicht wie ein zu Tode verurteilter. Soll es der sein? Bin ich schon bereit zu so einer Entscheidung? Bitte lasst mich eine Nacht drüber schlafen. Ich bete, dass mir Gott den Wink mit dem Zaunpfahl verpasst. Wenn der, dann soll er es sagen.

 

Ich wache auf. Verschlafen greife ich nach dem Ohr von Antonia, die ich so gern daran gezupft habe, um ihr gleich danach zu sagen, dass sie als erste aufstehen und Kaffee kochen soll. Antonia ist nicht da. Das Hundebett neben meinem Bett fehlt auch. Gott, wie ist das still. Dabei war Antonia nie laut. Sie hat kein einziges Mal gebellt. Nur manchmal im Traum ein leichtes bluffen und schnaufen. So darf es nicht bleiben. Ein Hund muss her.

 

Die Gedanken fliegen. Wenn ich mich für einen entscheide, dann sind die Chancen für alle anderen schlecht. Wo ist die Not am größten? Der freundliche Hinweis auf den Schäferhundknaben von gestern erscheint erneut. Na gut, dann soll es so sein. 300 EUR. Puh die hab ich nicht rumliegen. Es gibt Paten. Ja ich würde gern Endstelle sein, dabei wusste ich nicht was ES und PS bedeutet. Ich musste mich aufklären lassen.

 

OK Gott, wenn dieser Hund, muss jemand bei den Kosten helfen. Tada, jemand half. Dann ist es wohl dieser. Wie geht es nun weiter? Erst einmal sage ich verbindlich zu. Namenloser, scheinbar jüngerer Schäferhund ohne Angaben zu irgendwas zieht bald bei mir ein. Ich freue mich, bin aber unsicher, wie nun alles werden soll. Egal, die Entscheidung steht. So bin ich nunmal.

 

Mit reichlich hin und her, welche Organisation ihn nun ausfährt und nach Deutschland bringt, spreche ich fast täglich mit der Perrera. Er kommt in die Quarantäne. Er wird kastriert, geimpft, entwurmt und irgendwie in Nordspanien zwischengelagert. Zeitweise bricht der Kontakt ab. Ich bleibe dran.

 

Er hat noch keinen Namen. Oder besser niemand kann mir seinen Namen sagen. Ich will ihm einen geben. Tagelang spiele ich viele Varianten durch. Keine gefällt mir wirklich. Er ist ein Knabe, den kann man nicht Antonia nennen und Anton wäre echt plump. Aber ein A soll es sein. Als Homage an die Grande Dame Antonia.

 

Der erste Name in der Bibel ist Adam. Ja genau. Er ist der Erste. Er sieht aus wie das Standbild und das Vorzeigeexemplar eines Deutschen Schäferhundes, dabei ist er ja quasi ein ReImport. Deutscher Schäferhund von Spanien nach Deutschland. Ja, Adam soll er heißen. Nun heißt es warten. Wann kommt er? Atonia ging am 13. Juni 2012. Adam kommt Ende Juli. Ich freue mich auf ihn. Ich nutze aber auch die Zeit, um Antonia gehen zu lassen. Schwere Tage so ganz ohne Hund. Sie sind bald vorüber.

 

Schon Gott suchte ihn und fragte. Adam, wo bist Du?

1. Mose 3,9 Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?

 

Passender Song gefällig?

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