Strassentrip mit Hund und Pferd

gerade wieder aufgestiegen, alle dabei ;-)
gerade wieder aufgestiegen, alle dabei ;-)

Sonntag. 8 Uhr morgens. Nebel. Mhh lecker. Naja was soll´s. Wir wollen Straßentraining machen mit den Hunden. Das klappt am besten Sonntagmorgen, wenn keine Socke auf der Straße ist. Schon beim anziehen der Reitsachen freuen sich beiden Hunde wie Schneekönige. Juchuu wir reiten aus. Nicht mal der Weg auf die Wiese gegenüber ist drin. Die warten am Auto. Die wollen mitfahren. Unbedingt!

 

Wir sind früh beim Pferd. Alles ist ruhig und idyllisch. Perfekt. Nur das Wetter könnte schöner sein. Naja, dann bleiben uns wenigstens die Menschen fern. Bei dem Wetter kommt doch keiner freiwillig raus. Pferd geputzt und gesattelt, alles entspannt. Langer Zügel und ab dafür. Adam und Hanga laufen frei. Schön neben und hinter dem Pferd entlang. Schön bei Fuß, ganz selbstverständlich, ohne dass ich was sage. Die Hufe klackern auf den Pflastersteinen.

 

Wir wollen nicht ewig auf dem Bürgersteig lang gehen. Erstmals die Hauptstraße überqueren. Hunde! Langsam! Sie bleiben stehen. Keine Kunst, das üben wir ja täglich. Alle halten an, kein Auto kommt und rüber. Ah ein Hund. Mist! Der will früh zum Bäcker an der Ecke. NEIN! Beide sehen zu mir hoch und man kann die Gedankenwolke über ihren Köpfen sehen. Naja sie sagt nein, aber meint sie das auch? Ja, ich meine das so!  Der andere Hundehalter lacht. Ganz fatal, das werten meine doch sofort als freundliche Aufforderung zur Taschenkontrolle. NEIN! VORAN! Widerwillig aber brav geht es voran. 100 Meter weiter, noch ein Bäcker. So viele Autos. Hey, haben die alle kein zuhause?

 

Wir biegen ab. Runter von der Bäckeravenue. Nebenstraßen sind super. Wir klackern ein bisschen müde, aber fröhlich langhin, um weicheren Boden zu erreichen. Zwischendrin immer wieder kleine Raunzer an Adam und Hanga, die gelegentlich auf die andere Straßenseite sehen. Der Bürgersteig wird nicht verlassen. Und falls sie doch einen zarten Schritt in die falsche Richtung machen, sofort die Korrektur. Gott sei Dank ist Tatty straßensicher und voll entspannt. Mit einem anderen Pferd würde das nicht gehen. Das weiße Sofa trägt uns sicher und sehr relaxed durch die Wege.

 

Hangas Maul schäumt inzwischen vor lauter positiver Aufregung. Es riecht alles so neu und lecker. Sie ist hin und weg. Adam geht hinter uns. Wie ein Hüter seiner Herde. Ich muss ein wenig schmunzeln, mag aber nicht das Handy rausholen und ein Bild knipsen. Das wäre ein bisschen wie freihändig rückwärts fliegen. Soviel Risiko muss nun wirklich nicht sein. Wir sind aus dem Ort und erreichen weiche Seitenstreifen, auf denen man entspannt traben kann. Die Hunde schnüffeln, Tatty schnaubt zufrieden und sichtlich gelöst. Das Pferd im ruhigen Arbeitstrab, die Hunde im ruhigen Wolfstrab. So kann es eigentlich immer sein.

 

Dann kommen wir wieder ein Stück an der Straße entlang. Der Radweg auf dem wir gehen, ist mit Streusteinchen versaut. Also müssen wir am Rand Schritt gehen, als uns ein smarter Jogger von hintern zuruft, geht das mit Pferd und Hunden? Na klar, einfach weiterlaufen. Die Hunde interessiert es nicht mal, Tatty guckt kurz irritiert. Wir sind wieder alleine. Boah war das schon immer so weit?  Mein Streckenplan im Kopf war irgendwie kürzer. Naja egal. Uns stresst ja keiner und wir machen langsam. Ein paarmal links und rechts, die Hunde sind schon deutlich ruhiger und teilen ihre Kräfte besser ein.

 

Plötzlich, ein 500 Meter entferntes Geräusch, das ich gut kenne. Alfred hat uns entdeckt. Also DER Alfred, der immer Ahnung hat und Zuhörer gern mag, der zu Elke seiner Frau mit Tessi der schwarzen Hundedame gehört. Er hat uns entdeckt und winkt uns heran. Siehe da, noch mehr Hundehalter. Unser Rudel geht ja auch eine Morgenrunde und die treffen wir gerade. Manne mit Maggy und Tequila, Sabine mit Joker, Heike mit Benji, Werner mit Lux und Luna… Adam sieht sein Rudel. Kurzer Sichtkontakt zu mir, kein Kommentar von mir  uuuuuund aaaaaaabrauschen. Juchheee seine Freunde! Hanga bleibt bei mir. Ich schicke sie los. Hier ist keine Straße, hier sind Felder und hier sind Feldwege. Leg los. Keine Gefahr. Ganz geheuer ist ihr das nicht, mich mit dem großen weißen Sofa allein zu lassen, aber wenn ich es doch sage ;-)

 

Wir reiten ihnen langsam entgegen. Tatty guckt. Ui soviele Hunde. Bist Du sicher? Ja, bin ich. Die Ohren oben, die Augen wach und genau hinsehen. Sie ist brav. Wie immer. Trotzdem steige ich sicherheitshalber 50 Meter vorher ab. Einige Halter nehmen ihre Hunde an die Leine. Zur Sicherheit. Adam springt freudig durch die Reihen. Super. Ausreiten UND Hunderudel. Genial!

 

Wir klönen ne Runde. 2 Hunde werden um das Pferd geführt und dürfen mal schnuppern. Tatty klaut sich entspannt nen Grasbüschel. Wenn wir schon rumstehen.... ;-)  Nicht lange, da wird mein Hintern kalt und ich mag wieder aufsteigen. Ich reite los in Richtung Heimat, was Tatty sofort erkennt und schneller geht. Hanga geht brav mit. Anfangs auch Adam. Ich kontrolliere, ob beide Hunde da sind. Neeee natürlich nicht. Adam lief zum Rudel zurück. Ich muss ihn ran pfeifen. Er kommt angesprintet. Mist, sie hat es gemerkt!

 

Wir sind wieder am Ort und der Strasse und die Hunde gehen brav vor und hinter dem Pferd auf dem Bürgersteig. Langsam, damit Tatty nicht schwitzt. Entspannt, damit ich keinen Muskelkater bekomme. Kurz, wirklich ganz kurz bevor ich in den Weg zur Weide einbiegen will, fährt ein Radfahrer mit Hund auf der anderen Straßenseite. Hanga stürzt trotz meines Verweises los. Ich muss das erste Mal richtig scharf und laut werden an diesem Morgen.  FROILEIN!!! Sie kommt geduckt zurück und weiß ganz genau wie bescheuert das jetzt war. Keine weiteren Mucken. Noch 500 Meter zur Weide. Wir werden wiehernd von den Pferde-Kollegen begrüßt. Erstmal reingehen und was trinken. Das gilt für mich und die Hunde.

 

 So noch schnell sauber machen und etwas Heu hinwerfen. Ui die älteren Heren, die im Auto spazieren gehen und Parksünder aufschreiben kommen auch langsam wieder raus. Ja, und stellen sich schön ans Weidetor, wohlgemerkt im Auto und gucken zu. Und tatsächlich, auf der Nachbarsweide rennen Pferde freudig los und legen einen kleinen Sprint hin. Und Adam lässt sich anstecken. Ich rufe ihn sofort zurück. Hanga pariert direkt. Adam rennt bis vors Weidetor, bevor ich ihn zurückpfeifen kann. Freundchen! Nicht anstecken lassen von übermütigen Pferden. Er kommt brav mit und sieht mir beim Mist schaufeln zu. Hanga auch. Alles schön. Der ältere Herr im Wagen bleibt und beobachtet argwöhnisch die bösartigen Hunde. Als hätte ich es gewusst, bekomme ich wenig später einen Anruf, ob was passiert sei. Man hat besorgt die Nachbarpferde von der Weide geholt.

 

Leute; Freude ist eine sehr ernste Sache. Pferde haben Freude, Hunde haben Freude, ich habe Freude. Ich empfehle Euch das. Das Leben ist ein Spiel mit absolut tödlichem Ausgang. Man muss das nicht so ernst nehmen. Vor allem nicht, wenn wenn es nichtmal das eigene Leben ist, sondern das der Nachbarn. Es lebe der Sonntag. Auch mit speziellen Sonntagsfahrern.

 

;-)

 

 

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