Mord durch Mahd

Mord durch Mahd
erschlagene Ricke

Montag. Der Bauer mäht die saftigen Wiesen mit wirklich hohem Gras. Darf der das? Die Hundegruppe, geht ihre Runde und beobachtet das Treiben. Ein Reh läuft in Panik aus der hohen Wiese. Das Gras steht so hoch, dass ein Schäferhund fast nicht mehr zu sehen ist. Der Rückzugsort für Rehe, Hasen, Rebhühner und Füchse. Eine ziemlich große Fläche.

 

Ein Gefühl der Empörung steigt in den Gassigängern hoch. Es ist Brut- und Setzszeit. Die nervt uns alle ein bisschen, weil die Hunde Leinenzwang haben und eine Auslastung unmöglich wird. Die Stadt ermöglicht keine ausgewiesenen Freilaufflächen. Man hat Verständnis, aber auch keine Alternative. Also zwingen wir die Tiere an die Leine. Umso unverständlicher ist es, dass hier so großflächig gemäht wird. Es wird spekuliert wieviel arme Tiere der Bauer da niedermetzelt.

 

Dienstag. Nach 18 Uhr. Die Hundegruppe läuft wieder. Auffällig viele aasfressende Vögel sind auf der Wiese zu Gange. Die Hunde wollen gern dort hin. Wir lassen sie nicht. Deutlich sichtbar liegt ein toter Tierkörper nur ca. 80 Meter vom Wegrand entfernt. Wir wollen nachsehen. Ich gehe. Nur Sekunden später ist klar; eine tote Ricke. Vom Mähwerk geschreddert. Sie liegt als hätte sie sich an den Boden gekauert. Wenig weiter finden sich zwei Füchse.  Wie schrecklich. Das war Mord.

 

Ich mache Bilder mit dem Handy und gehe zur Gruppe zurück. Meine beiden Hunde freuen sich sehr darüber. Dabei war ich nur 80 Meter weit gegangen und zu sehen.

 

Am Wegrand überlegen wir was zu tun ist. Wir rufen die Polizeidienststelle an und melden den "Wildschaden". Der Polizist informiert den Jagdpächter. Erstmal beenden wir die Gassirunde und an unserem Treffpunkt kommt uns der Jagdpächter mit Helfer entgegen. Ich steige nach dem ersten Versuch die Tiere ohne Hilfe zu finden bei ihm ins Auto ein und wir fahren direkt dorthin. Der Helfer kommt mit einer schwarzen Plastikbox und sammelt das tote Tier ein. Der Jagdpächter schaut traurig und erklärt mir, dass es eine Ricke ist, die letztes Jahr noch ein Kitz war. Sie gehört zu dem Sprung Rehe, was mit 10 Tieren immer auf unseren Wiesen stand. Nun sind es nur noch 9.

 

Er erklärt mir auch, dass der Bauer Mais sähen will und deswegen die Wiese gemäht hat. Er wirkt sauer. Hat er doch extra ausgebildete Hunde, die vor der Mahd solche Wiesen durchstreifen und die Tiere heraustreiben. Warum hat der Bauer nichts gesagt? Wie dickfällig und respektlos ist das? Bleibt sowas ungestraft? Vor Hunden schützt man die Tiere und ihre Jungen. Vor Bauern leider nicht.

 

Mittwochvormittag. Der Bauer räumt das Gras weg. Es wird Silage oder direkt verfüttert. Wieviele erschlagene Tiere findet man noch darin? Fressen das dann die Kühe? Verendet die ein oder andere von denen wegen der "Verunreinigungen"?

 

Freilaufende Hunde sind ein Problem, freilaufende Bauern ein größeres. Keiner unserer Tiere hatte je ein Reh oder gar Fuchs auf der Erfolgsliste. Wir gehen auf Wegen. In Niedersachsen ist vom 1. April bis 15. Juli Leinenzwang. Bei der Gelegenheit sollte ich noch einmal dringend für ausgewiesene Freilaufflächen plädieren! Große Hunde, lassen sich an der Leine nicht auslasten und man macht sich der nicht artgerechten Haltung schuldig. Das Gesetz ist richtig und wichtig, aber es muss Ausweichmöglichkeiten geben!

 

 

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