Jagdfieber

angeleint in den Wald starren
angeleint in den Wald starren

Wir sind wieder im Buxtehude und gehen am Litberg spazieren. Es hat geregnet und ich hoffe auf einer kleinen Erhebung trockenen Fusses durch die Natur zu gelangen. Die Stiefel vom Wochenende wollen so gar nicht trocken werden.

 

Scheinbar niemand ausser uns ist dort. Ich werfe Stöckchen und beide spielen ausgelassen auf dem Weg, als wir einen anderen Hund treffen. Die Hunde begrüßen sich freundlich und spielen miteinander, als ich meine Hanga aus dem Augenwinkel beobachte.

 

Sie wittert etwas. Die Nase hoch in die Luft. Tief einatmen. Anspannung pur. Die Lefzen pumpen sich auf und Hanga riecht ganz offensichtlich mit der Zunge. Schnell reagiere ich und will sie anleinen, als ein Feldhase nah bei uns aus dem Wald kommt. Offensichtlich ein Selbstmöderhase. Ich bin zu spät. Hanga ist hinter dem Hasen her in den Wald hinein. Adam schnallt nix. Der andere Hund auch nicht. Hanga marschiert kläffend durchs Gestrüpp. Sie ist durch den Wald bei weitem zu langsam für das wendige Ohrenbdouble. Ausser die großen Ohren haben sie nichts gemeinsam.

 

Die anderen werden angeschnallt und Hanga gerufen. Ein kurzes Stoßgebet um Schutz und Bewahrung  und  ich verabschiede mich vom anderen Hundehalter, um hinter ihr in den Wald zu tapsen.

 

Boah blöd! Froilein Du hast Hundehausarrest an der Leine. Aber sowas von sicher! Mir egal, ob Du ausgelastet bist. Je größer der Gehorsam desto größer die Freiheit. Kein Gehorsam. Keine Freiheit. Ganz einfach. 

 

Eigentlich ist Hanga diejenige, die nicht von meiner Seite weicht.  So offensichtliche Beute und tagelanger Regen mit zu wenig Auslastung lassen aber wohl alte Gewohnheiten hervorkommen. Hanga kommt aus Ungarn und hat sich wahrscheinlich früher selbst versorgt. Ich hatte viel eher damit gerechnet, dass da mal was kommt. Heute war es soweit. Natürlich weit weg von daheim in unbekanntem Gelände bei Nieselregen. Jucheee!

 

Wir waren bereits auf dem Berg und im Wald geht es steil bergab. Adam und ich hangeln uns herunter und finden unten eine gut gelaunte Hanga ohne Beute. Aber die Nase im Wind. Jagdgierig. Ich schnalle sie an und mecker was das Zeug hält. Adam meckert mit und pöbelt sie richtig an. Wer das Rudel verlässt wird angemeckert. Das ist nunmal so.

 

Hangas Adrenalin ist hochgepeitscht. Selbst an der Leine ist sie gierig auf die Jagd. Einen infizierten Hund vom Jagen abzuhalten, ist sicher ein echt schweres Ding in der Hundeerziehung. Ich habe spontan kein Patentrezept dafür. Beim Jagen schüttet der Körper des Hundes jede Menge Glückshormone aus, gegen die man nur schwer ankommen kann. Und diesen Kick wird der Hund evtl. immer wieder suchen. Sowas muss zwingend im Ansatz unterbunden werden.

 

Meine Füsse sind nass. Bis zum Knie, weil es im Wald eben doch nicht trocken ist und ich unten auf Wasser treffe. Grummel. Wir müssen jetzt eh noch ne halbe Stunden trocken laufen. Also wieder nach oben auf den Weg.

 

Ich muss nachdenken. Man unterscheidet ja zwischen Jagdtrieb und Hetztrieb. Der Jagdtrieb veranlasst einen Hund gezielt nach Fährten, also den Geruchsspuren eines Tieres, zu suchen und diese zu verfolgen. Findet der Hund die Beute, wird der Hetztrieb aktiviert sobald die Beute flüchtet. Hütehunde oder Schäferhunde haben eigentlich keinen Jagdtrieb, aber den schnellen Lauf lieben sie alle. Sie reagieren auf die schnelle Bewegung - Hanga jagte nicht mit tiefer Nase. Sie war jedoch untypischerweise mit hoher Nase im Wind. Definitiv hetzt sie mit erhobenem Kopf auf Sicht. Hetzen bedeutet Spaß und auch ohne Jagderfolg kommt Freude auf. DAS ist das Problem. Sie ist wie elektrisiert und gierig nach mehr Spaß.

 

Wehret den Anfängen. Hanga hat gegwenärtig bleibenden Hausarrest. Ich lasse Adam von der Leine und der schlendert gemütlich schnüffeln am Wegrand. Hanga darf nicht. Sie jammert. Mir egal. Diese Woche bist Du angeschnallt. Selbst schuld. Wir gehen noch eine ganze Stunde bergauf-bergab und erkunden die Gegend während wir so langsam abtrocknen. Mir eicht es für heute.

 

Die Hunde sind in unserm Dachzimmer auf dem Bauernhof auch nicht mehr zu bewegen. Ab 21 Uhr Nachtruhe. Naja wenigstens ausgelastet.  

 

 

 

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