Kastration - Reissverschluss am Bauch

Hanga ist eine Lampe
Hanga ist eine Lampe

Gewitzelt wurde viel. SchwangaHanga, weil mein kleines Mädchen alle 3 Monate läufig wurde und sich dann auch bereitwillig jedem potentiellen Lover an den Hals warf. Das war anstrengend für uns, für andere und auch für Hanga.

 

Hormone regeln mehr als das Kinder bekommen, deswegen würde ich die Kastration einer Hündin nur empfehlen, wenn es ein entscheidender Vorteil ist. Es ist eben ein großer Eingriff. Hangas Blutwerte zeigte eine chronische Entzündung an, die wir nicht entdecken. Monatelang haben wir immer wieder Blut abgenommen und getestet. Keine Reisekrankenheiten, aber der Wert für chronische Entzündung dauerhaft erhöht.

 

Da hilft nur noch Ultraschall der Gebärmutter. Die ist ja ein eigenständiges System im Körper, Entzündungen werden erst später am Rest des Körpers sichtbar. Ich hatte gehofft, dass sich die Unstimmigkeiten mit der Läufigkeit einspielen. Haben sie nicht. Nach 90 Tagen war Hanga wieder da. Blutig, heiß begehrt und Willens das zu nutzen.

 

Wir haben es geschallt. Deutlich verdickte Gebärmutterwand. Zysten an den Eierstöcken. Ja, dann... Dann machen wir mal einen Termin. Allein, es fand sich keiner. Ich muss einfach 10 Tage am Stück da sein, um sie nachzuversorgen. So einfach ist das nicht. Dann war es soweit. Freitag wurde ein Projekt verschoben. Das nutzen wir. Samstag 17.00 Uhr auf den Tisch.

 

Ich kann auch assistieren. Sagte ich. Konnte ich aber nicht. Im OP stehen wir und reden. Hanga bekommt eine Beruhigungsspritze. Die Hinterbeine klappen weg. Sie legt sich hin. Ich streichle. Dann gab es den Rest der Dröhnung. Adios Hanga. Sie will nicht fest schlafen. Die Nase zuckt, die Augen auch. Schlafen findet sie doof. Eine leichte Dosis hinterher. Ich warte. Bauch rasieren, desinfizieren, auf den Rücken legen. Anschnallen, Beine wegbinden. Hat was von einer Folterkammer. Gruselig. Ich werde es sicher nicht packen zu assistieren. Viel zu emotional. Es reicht, wenn die hier einen Patienten haben. Ich schnappe Adam, der brav gewartet hat und haue ab. Auf dem Weg rufe ich in den OP: Bin in ner Stunde wieder da.

 

Stimmen im Kopf. Hoffentlich geht alles gut. Andere Stimme. Natürlich, Hab Frieden. HAHA!!

 

Bin bei Bekannten. Bekomme Cappucino und Adam Leckerlie. Werde ruhiger. Die Stunde ist vorbei, schnell wieder hin. Da liegt sie. Sind am zunähen. Alles gut. In der Nierenschale liegt das entnommene. Lecker. Deutlich erkennbar die Eierstöcke und die Gebärmutter. Schön gefüllt. Also das war aber ganz kurz vor einer Vereiterung. Doc Schlesi bestätigt das. Wir haben gut diagnostiziert. In 6 Wochen hätte sie als Patient mit roten Augen auf dem Tisch gelegen.

 

Es war der richtige Zeitpunkt. Es war die richtige Entscheidung. Aufwachen darf Hanga daheim. Wir tragen sie ins Auto. Weit weg wohnen wir nicht. Die Treppe hoch in einer Decke. Auf dem mit Styrophor gefüllten weichen Kissen abgelegt. Wir sind ganz leise. Keine Musik an. Handy leise gestellt. Abwarten bis sie wach wird.

 

Es ist herzzerreißend. Die halluzinogene Nachwirkung hält sich in Grenzen. Hanga versucht aufzustehen, fällt wieder hin. Ich gehe nicht dran. Spreche leise im Hintergrund mit ihr. Zwei Stunden später ist sie wach und tappert in den Flur. Gleich wieder ablegen. Doch noch zuviel. Ich hätte es ihr so gern erspart. Sie muss mal. Lässt es laufen. Ich putze liebevoll und umsorge sie leise. Wir werden im Büro schlafen.

 

Ich packe meine Matratze neben das Hundekissen. Schlafen würde ich es nicht nennen. Adam ist brav und arbeitet mit.

 

Am Morgen waren wir 7 mal vor der Tür. Immer habe ich sie getragen. Sie hat Schmerzen und macht viel Pipi in stündlichen Abständen. Das wird noch spannend. So geht es weitere Tage. Ich spritze Schmerzmittel und Antibiotika.

 

Sie macht das großartig. Treppe rauf, Treppe runter. Immer auf meinem Arm.

 

Adam ist unausgelastet. Ich gebe ihn morgens ab bei unserer Hunderunde, und die Ladys nehmen ihn mit zum gassi. Abends nochmal. Ich bin dankbar für Hundefreunde, die helfen. So muss ich Hanga nicht alleine lassen.

 

Nach 2 Tagen dusche ich endlich auch mal wieder und beginne mit der Wundnachsorge. Sie darf nicht knabbern. Trichter Olé. Sie findet es Scheiße. Nachts einen OP Body und/oder ein altes Nachthemd mit Löchern für die Beine. Das hatte schon Antonia an.

 

Die Wunde heilt sehr gut. Hanga belastet wieder mehr und ist zum spielen aufgelegt. Ich freue mich riesig, dass sie es gut überstanden hat. Sie ist nicht nachtragend. Gensauo freundlich beim Doc wie sonst auch.

 

Nur noch Fäden ziehen. Dachte ich. Leider war ich zwar 10 Tage daheim und am 11. Tag, an dem wir abends die Fäden ziehen wollten, hat sich Hanga die Wunde nochmal aufgeleckt. Wir warten noch, tragen wieder OP Body und Treppe rauf und runter.

 

Weil sich nun die Heilung verzögert, kaufe ich ihr einen Motorradgurt für Kinder, packe ein dickes Fliesstuch drunter und unterstütze so die Bauchdecke. Dann hängt nicht soviel Belastung auf der Wunde und lecken kann sie auch nicht. Besser als der Trichter auf dem Kopf. Sie kommt sehr gut damit zurecht. Trotzdem werden es fast 4 Wochen, die wir brauchen bis alles verheilt ist und sie wieder normal belasten kann.

 

Das müssen wir nicht zweimal haben. Puh. Also echt! Es war anstrengend. Es war richtig. Ergo richtig anstrengend.

 

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