Verpisserin mit rabaukigem Helfer

Im Freilauf der Hunderennbahn
Gas geben Im Freilauf der Hunderennbahn

Hanga. Klein. Leicht. Lieb. Handzahm. DENKSTE.

 

Als Hanga ankam, war sie spindeldürr, erschöpft und soooo anhänglich. Sie wich nicht von meiner Seite. Jeder beneidete mich um diesen tollen und einfachen Hund. Ein gutes Jahr hat es gedauert. Hanga ist kerngesund. Wir gehen oft im Rudel spazieren. Das hat ihr viel Selbstbewusstsein eingeflösst. Sie kennt andere Hunde und Menschen. Sie ist in sich viel freier. Sie spielt, tobt und flitzt über die Felder. Aus der lahmen Ente ist eine blitzschnelle und super gescheite Hündin geworden, die ganz eigene Ideen entwickelt.

 

Leider sind das keine Ideen, die ich im Ansatz unterstütze. Nahe unseres Gartens halten sich extrem viele Rehe auf. Früher, war das nie ein Thema. Heute steht sie voller Anspannung am Zaun und verdichtet die Gerüche. Die Gier im Auge. Der Appetit auf der Zunge. Gegenwärtig kann ich sie kaum von der Leine lassen. Ein Auslasten ist extrem schwer. Ihr Kopf wird quasi niemals müde, ihr Körper irgendwie auch nicht. Eine Reizangel ist schnell gebaut. Viel Aufmerksamkeit. Denkspiele. Lässt man sie aus dem Auge, macht sie sich am Zaun zu schaffen. Wir haben diesen inzwischen zweimal repariert.

 

Offensichtlich ist die Erinnerung zurück, wie man sich als Strassenhündin ernährt. Sie kann jagen und sie würde es tun. Es scheint unmöglich ihr das abzugewöhnen. Ist ein bisschen wie Männern abzutrainieren hinter schönen Frauen herzuschauen. Hoffnungslos. Ich kann es ihr nicht so richtig übel nehmen. Sie ist im Naturell ein Beutegreifer. Nichtsdestotrotz geht das überhaupt nicht. Adam hat keinen Schimmer vom jagen und bisher auch kein Interesse. Der hütet lieber alles was sich bewegt in preussischer Ordnung. Angespitzt durch Hanga kommt er aber auch so langsam auf den Geschmack und entpuppt sich als rabaukiger Helfer der Ausbrecherqueen.

 

Beide sind wirklich verlässlich abrufbar. Ausser wenn ein Wildtier an uns vorbei läuft. Sofort setzt der Hetztrieb ein. Man hat keine Chance. Selbst an der Leine entwickeln die eine Kraft, dass ich manchmal ordentlich gegenhalten muss. Zur Sicherheit trage ich den formschönen Bauchgurt. Wenn wir das jetzt noch monetalang durchhalten müssen wird es spannend.

 

Stattdessen versuche ich daran konkret zu arbeiten. Der Gedanke war; kann ich sie nicht davon abbringen, dann muss ich sie lehren ein richtiger Jagdhund zu werden. Einer, der auf Kommando jagt und nicht allein losrennt. Einer, der nix anknabbern will, sondern brav Meldung macht.

Hanga hat eine Sicherheit entwickelt, dass ich da bin, wenn sie mal kurz abhaut. Geht gar nicht! Ich rüffele sie sehr oft. Wir lesen gerade das Buch Über den Beutetrieb zum Gehorsam: Hilfe, mein Hund geht durch! Konkrete Hilfe bei jagenden und wildernden Hunden von Gisell Schwan.

 

SEHR SCHÖN! Nix für Jedermann. Es bedeutet tatsächlich Arbeit. Fährten legen mit speziellen Duftstoffen. Dem Hund beibringen, dass wir Fährten nachgehen, aber nix fressen. Hanga arbeitet begeistert mit. Adam findet es einfach schön dabei zu sein und lässt sich ordentlich kraulen, wenn wir das Duftstoffverseuchte Stofftier finden und brav Sitz machen und Meldung geben. Auch wenn er nix damit zu tun hatte und einfach nur mitgelaufen ist ;-)

 

Wir sehen eindeutige Fortschritte. Sind aber noch nicht am Ziel. So eine Ausbildung dauert eben nicht nur 4 Wochen. Das ist alles noch ganz frisch. Wir werden weiter berichten. Sie ist ein sehr sensibler Hund, die schnell im Kopf ist. Es wird ganz sicher gelingen und macht auch ein bisschen Spaß. Aber da sieht man es wieder. Hunde brauchen Aufgaben. Bisschen Ball spielen reicht nicht.

 

 

 

 

 

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