Two and a Half Dog

Ich träume. Von einem kleinen Hund. Zwei Nächte hintereinander. Mittwochabend. Ich klicke mich durch die Seiten des Vereins, der auch meine Hanga gerettet hat. Komme ins Gespräch mit einer ehrenamtlichen Vermittlerin, die uns noch nicht kennt. Schnell wird klar, dass die kleine Schwarze aus einer ungesunden Situation in eine andere Hütte muss. Ja. O.K.


Sie kommt Freitag. NEIN: Ich arbeite. Nagut Samstag. Das ist gut. Als sie bei uns ankommt, ist sie sehr verstört. Traumatisiert. Lässt sich kaum anfassen. Macht sich vor Angst in die nicht vorhandene Hose. Sie zittert am ganzen Leib. Mit Mühe gelingt es mir ein Halsband anzulegen. Ein Geschirr ist weit weg.


Fressen geht nur zaghaft unter großer Angst aus der Hand. Schreckhaft kommt sie kaum zur Ruhe. Montag geht der Ernst des Lebens los. Sie muss mit ins Büro. Auf der grünen Decke von meiner Antonia  liegt sie rum. Man sieht nix. Man hört nix. Nur die Leine, mit der ich sie sicherheitshalber befestigt habe ich durchgeknabbert. Eine Woche dauert es und sie wird sicherer. Kennt die Wege, unsere Zeiten und meine beiden großen. Adam ist liebevoll interessiert. Hanga ist verstört. Sie hatte nicht geplant mich mit mehr Hunden zu teilen.


Gloria von Thurn und Tappsig. So ist ihr Name. Alle rufen Sie Glory. Was im wahrsten Sinne des Wortes herrlich zu ihr passt. Sie ist eine durchweg freundliche Hündin. Abwandlungen ihres Namens in Gloria von Turn und Moppsig entstehen, weil sie die Knabberstage vom Nachbarshund klaut. Alle Damen im Büro sind hin und weg, kuscheln, füttern, streicheln. Das ist wie im Boot Camp. Berührungsängste haben keine Chance sich hartnäckig zu halten.Sie muss überall mit. Die Spaziergänge auf der Wiese liebt sie sehr schnell. Da ist sie sich auch das erste mal mit Hanga einig. Beide lebten auf der Strasse und wissen wie man sich ernährt. Sie ist schnell, es quieckt und die Maus in ihrer Schnauze sieht nicht mehr so lebendig aus.


Glory geht mit uns schwimmen, fährt Boot auf dem See, reist im Auto mit uns durchs Land und trifft unser Hannoversches Hunderudel in Buxtehude auf ein langes Wochenende. Sie ist ne Woche in Bremen, 2 Wochen in Hannover und ein Wochenende bei Oma und Opa. Baut mit uns den Hundegnadenhof in Kyritz auf und ist ständig unterweg. Langweilig wurde es nie.


Die Leute kreischen links und rechts, oh die würde ich ja sofort nehmen. Ja. Aber ich würde sie nicht sofort geben. Glory braucht den August, um anzukommen, nutzt den September um sich zu probieren und ist ab Oktober im richtigen Training. Sitz. Platz. Hier.


Sie entwickelt sich sehr gut. Allein sie grenzt sich gern ab. Die Nachbarn fragen, habt ihr die Kleine schwarze nicht mehr. Doch. Die liegt aufm Sofa, im Tarnmodus. Sie frisst allein. Sie spielt allein. Am liebsten mit Mäusen, die sie im Garten fängt. Der Rasen ist hin. Die Bälle der Großen sind zuviel für sie. Kleine Bälle würden die Schäfis verschlucken. Am Hundestrand klatscht es zu sehr, wenn die wilden Schäfis durch die Fluten springen. Glory ist sensibel. Meckert man zu laut mit ihr, weil man den scharfen Ton der Schäfis dort anwendet, rührt sie dieses Stück Futter niemals wieder an. Morgens ziehe ich meine Schuhe an und die beiden großen springen fröhlich auf und laufen zum Auto. Glory ruft man 5-22 Mal. Glory nun komm. Glory hier. Glory wir müssen los. Langsam streckt sie sich und taumelt verschlafen zum Auto. Die kleine Nervensäge.


Sie geht jetzt mit in die Tagesbetreuung. So einen einfachen Hund, wie die kleine hatte sie ja noch nie. Man sieht und hört nix. Normale Menschen freuen sich über sowas. Ich weiß es besser. Was ich lange geahnt habe, muss nun wirklich ausgesporchen werden. Glory eignet sich nicht zum Dritthund. Sie kommt gut mit anderen Hunden klar, aber sitzt viel lieber auf dem Schoß eines Menschen. Sie braucht unglaublich viel Streicheleinheiten. Kriecht fast in einen rein, wenn man mit ihr kuschelt. Sie trödelt gern, ist gemütlich und würde am liebsten den ganzen Tag kuscheln. Auf dem Schoss. Wenn Du am PC sitzt, wenn Du auf dem Sofa sitz, wenn Du im Auto sitzt... egal Hauptsache eine Hand streichelt sie. Fast aufdringlich fordert sie das ein.


Hanga ist angezipft. Blöde Glory. Wenn ich einen Moment nicht hinsehe, geht sie und bufft die Kleine an. Glory kreischt als würde sie niedergemetzelt werden. Es klingt sehr dramatisch. Danach humpelt sie zur Sicherheit nochmal 3 Schritte, um auf ihre schlimme Situation hinzuweisen, die dringendes Kuscheln erfordert. Der Standardspruch dieser Tage ist: Wir lassen Glory leben, Hanga! Ich sehe mir das eine Weile an. Glory ist ne Schauspielerin. Noch bevor Hanga bei ihr ist, wirft sie sich auf den Boden und täuscht ihren dramatischen Tod glaubhaft vor. Ein bisschen lustig ist das. Aber kein Dauerzustand.


In der Tagesbetreuung werde ich angesprochen. Da sind Interessenten für Glory, die über eine Bekannte, die hier auch ihren Hund in der Betreuung hat aufmerksam gemacht worden sind. Über 2 und eine halbe Ecke also. Sie kommen. Sie sehen sie sich an. Sie verlieben sich. Sie schmusen, kuscheln, und streicheln. Nun muss ich wohl doch ne Vorkontrolle machen. Wir besuchen am Sonntag die Familie. Glory wirft sich aufs Sofa und ist angekommen. Dann muss das wohl so.


Ein Ehepaar mit einer fast 12jährigen Tochter freut sich auf den Familienzuwachs. Sie haben ihr ein Hundebett gekauft und ein Geschirr und eine Leine und überhaupt.... Beide arbeiten in der Pflege. Sie in den Zimmern und er als Pflegedienstleitung in einem Büro. In dem wird Glory ab morgen arbeiten. Sie beginnt ihren Dienst an einem Dienstag. Junge Leute, die in Pflege sind und ihre Haustiere nicht mitnehmen durften. Omis und Opis, denen es genauso ging. Ein 6er im Hundelotto. Kuscheln bis der Arzt kommt.


Ich packe ihre Sachen, und Glory ins Auto. Sie ist heute sehr trödelig und will direkt zwischen Lenkrad und mich auf den Schoss. Heute wird sie aus der Tagesbetreuung abgeholt. Wir sehen uns ab heute Abend ertsmal eine Weile nicht mehr. Das wird komisch sein. Hanga wird es als angenehm empfinden. Glory hoffentlich auch. Wir werden die kleine verträumte Trödelliese vermissen.


Glory bedeutet Herrlichkeit. Die darf sie jetzt im Pflegeheim versprühen. In jedem Zimmer. manche Dinge sind einfach gut geplant vom Chef. Alles gute mein Sofaritzenfüller.


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