Mandy - wildes Leben mit Umwegen

Mandy. Ein Klassiker im Tierschutz. Misshandelt. Vernachlässigt. Ungeliebt. Mit einem daraus resultierenden Schaden in der Hüfte kam die junge Dame in den Haushalt von Ingeborg. Eben diese  hat uns auch Teil haben lassen an Mandys Geschichte. Zum Schutz und zur Hilfe anderer schreiben wir sie auf. Weil medizinische Abhandlungen durchaus einen gewissen Langeweile Effekt haben können, halten wir die Fakten zusammen und überschaubar. Auf Nachfrage kann man tiefer ins Detail gehen. Wir möchten, dass Mandys Geschichte anderen hilft, die ähnliches durchleben.  Tiermedizinern genauso wie ahnungslosen Hundehaltern. Los geht’s.

 

Sommer 2014. Mandy lümmelt auf der Ersatzbank rum. Sie ist schlapp. Irgendwas hat der Hund. Redet nur nicht drüber. Weitere Überprüfungen des aufmerksamen Halters ergeben , dass Sie erhöhte Temperatur hat. Sie wirkt müde und hat ein undefinierbares Unbehagen auf dem Gesicht. Als wäre da was im Anmarsch. Die trotz ihres Handycaps und der eingeschränkten Beweglichkeit sonst sehr muntere Zeitgenossin mit einer eigenen Meinung und dem Willen sie zu vertreten, hält sich aus den Tagesdebatten mit Hundegeschwistern und dem Rest der Familie heraus. Das große Rätselraten beginnt. Man tippt auf Krebs.

 

Ich rate zu einem Anaplasmose Test. Ach, woher soll sie das denn haben? Lange Waldspaziergänge macht die Prinzessin mit Hüftschaden nicht und ne Zecke hab ich auch nicht auf dem Schirm. Es wird probiert. Die Blutwerte geben einen entzündlichen Vorgang an, der sich nicht recht lokalisieren lässt. Immerhin sie wird antibiotisch versorgt. Der Zustand bessert sich leicht. Wadenwickel kühlen zusätzlich etwas ab. Die Tierärtze tippen auf Enzephalitis. Mein wiederholter Ansatz doch mal auf Anaplasmose zu testen wird dezent nach hinten verschoben.

 

Ich weiß nicht mehr alle Details. Tatsächlich wurde jedoch eben dieser Test auf Anaplasmen durchgeführt und war voll positiv. Ebenfalls positiv war die Behandlung mit Doxicyclin. Das ist schonmal gut. Hat aber leider Nebenwirkungen bei Hunden mit Vorgeschichte. So auch bei Mandy. Die Lebwerte waren superschlecht und die Magenschleimhaut entzündete sich. Nebenbei gab es noch Omeprazol. Das blockt die Magensäureproduktion. Mandy hält Diät. Nicht ganz freiwillig. Sie ist auch ne gute Schauspielerin und weiß das wirksam einzusetzen.

 

Ein auf und ab in der Entwicklung und der Stabilität lässt alle Eingeweihten mitfiebern. Das Doxy wird ausgetauscht gegen Carbesia. Die anderen Organe müssen entlastet werden. Dieser sehr intensive Coktail stabilisiert die Blutwerte und den Hund im Ganzen. Die Vorder- und Hinterläufe sind kahl rasiert. Der Bauch auch. Zugänge für Infusion und andere Spritzen verursachen den hässlichen Nebeneffekt. Es nützt ja nix.

 

Inge ist müde. Sie wird von Job und anderen Tieren im Haushalt auf Trab gehalten. Die zusätzliche Belastung ist eine echte Herausforderung. Die Tagesform von Hund und Mensch ist nur bedingt voraussehbar. Oft redet man ihr zu, dass sie Mandy gehen lassen soll. Nix da! Solange der Hund nicht anzeigt, dass sie gehen möchte wird hier nicht gestorben. Die Behandlung ist Zeit- und kostenintensiv. Einen Großteil davon macht die Fehldiagnose und das herumprobieren aus. Wertvolle Zeit, die verloren ging. Vom Geld redet hier niemand. Bei Anaplasmose werden die Blutkörperchen zerstört. Langsam aber zielsicher. Unbehandelt führt es fast immer zum Tod. Mandy ist in Behandlung. Kater Carlo tröstet die Seele, während Mama und Papa ihr Mädchen rundum versorgen.

 

Im Verlauf der Krankheit kommen zum hohen Fieber und der Schlappheit auch noch Gelenkschmerzen dazu. Mandy, die sowieso immer eine Baustelle dort hat, setzt das sehr zu. Gelenkschwellungen, Gelenkschmerzen, Lahmheiten, Muskelschmerzen, Schwellung der Lymphknoten. Alles vorhanden. Dennoch heißt es durchhalten. Weiterhin Carbesia und die ein oder andere Infusion. Außerdem wegen einer durch das Doxy verstärkten Pankreatitis zwischenzeitlich absolute Nahrungskarenz und Trinkverbot. Anstrengend für Mensch und Tier. Ein Bioresonanzgerät wird geliehen, damit Mandy etwas Wellness hat. Es ist eine tägliche Gratwanderung und der Kampf ist noch nicht ausgestanden. In sehr kleinen Schritten werden die Werte besser.

 

Anfang September werden die Pillen abgesetzt. Kein Cortison mehr, kein Carbesia. Dafür noch eben 500 ml Glukose und 300 ml Ringerlösung. Einen Tag später NaCl Lösung zum Spülen der Nieren nach Carbesiagabe. Wegen erhöhter Nierenwerte wird ihr manchmal übel. Dann gibt es temporär MCP Tropfen. Novalgin senkt Fieber und lindert die allgemeinen Knochen-Schmerzen. Die reaktive Arthritis, durch die Anaplasmen, verursacht einfach noch anhaltende Unfreude bei Bewegungen. 

 

Frauchen ist Physiotherapeutin. Mandy bekommt manuelle Therapie, vorsichtige Mobilisationen den Rücken rauf und runter und vor allem die Brustmuskulatur und schulterblattumgebende Muskulatur, Dehnungen und PNF Muster. Volles Programm.

 

Mitte September ist Madame wieder da. Achtet auf die Umgebung. Nimmt aktiv am Geschehen teil und möchte mitmachen. Langsam stabislisiert sich der Körper und erholt sich vom antibiotischen Rundumschlag. Da ereilt uns ein Rückschlag. Eine zweite Runde Carbesia wird verabreicht.

An einem Tag hat sie noch 2 Dosen Futter verdrückt, obgleich dies mit Überredungskunst geschieht. Und dann bricht sie am Folgetag unerwartet ein. Mangelndes Trinken ist das Hauptproblem. Sie will nicht und bekommt per Spritze in die hübsche Schnute. Die zweite Runde mit Carbesia hat sie sehr geschwächt, denn mithelfen beim Laufen erfolgt nun gar nicht mehr. Das Hinterbein ist etwas dicker. Die Verbände sind neu angelegt . Sie überkötet mit beiden Hinterpfoten und ist richtig schwer. Trotzdem bringt man sie immer mal wieder raus in den Garten, einfach damit der Kreislauf gefordert ist.

 

Es fühlt sich an als hätte Mandy Depris und die Schnauze voll. Jetzt wo die Werte besser werden, macht die Psyche schlapp. Bis zu vier Tage nach der Carbesia Injektion kann das so sein. Es ist belastend für alle Anwesenden. Wir durchleben den Dritten Monat in Anspannung. Müdigkeit ist allgegenwärtig. Mandy bekommt einen Druckverband gegen Lymphstau an dem Bein mit Braunüle. 2 Wochen brauchen wir bis der letzte Carbesia Trip nachlässt. Wir sind dankbar, dass sich alle Werte weiter stabilisieren und das weiße Mädchen mit dem Hang zum Leben sichtbar stabiler wird.  Als endlich alles ausgestanden war bekam Sie noch Probleme beim Wasserlassen. Ich mag es nun nicht weiter ausführen. Aber auch das wurde letzlich geschafft. Inzwischen ist unsere Madame genesen und macht Fortschritte auch bei der Gehbehinderung. Schwimmtraining und gute Kumpels machen das Leben doch sehr lebenswert. Es hat sich gelohnt. Für die Tierärzte und für Mandy. Leben ist wertvoll. Auch vermeidlich unperfektes.

 

Fazit: Mandy war vorher schon gehbehindert und wird eigentlich nur noch in den Garten geführt. Weil das mit der Zecke so extrem unwarscheinlich war, hat es keiner ernst genommen und auf Krebs getippt. Erst nachdem 2 Mal der Arzt gewechselt wurde, ist der Test auf Anaplasmen durchgeführt worden. Und es waren eindeutig Anaplasmen. Eigentlich ein ganz klassischer Verlauf . Bis auf die Tatsache das sie das einzige Medikament dagegen nicht verträgt und mit einer massiven Entzündung der Bauchspeicheldrüse reagiert hat. Es gibt noch andere Tetrazykline, aber da hat sich keiner mehr herangetraut. Das Carbesia war ihre letzte Chance und das ist ein wirklicher Hammer. Wie eine Chemotherapie. Es wirkt auch gegen Anaplasmose, ist aber eigentlich gegen Babesios. Auch das wird von Zecken übertragen.Ein Schnelltest kostet ca. 25 EUR. Er hätte soviel erspart. Einmal mehr darauf bestehen rettet Leben. Es kann Kontakt zur Halterin hergestellt werden, wenn Fragen bestehen. Um Rückmeldung wird gebeten.

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Verena (Montag, 18 Juli 2016 15:33)

    So schön zu lesen..ein Artikel der Mut macht... Wir sind gerade mitten drin im Kampf... ob wir ihn auch gewinnen können? Bei uns sind es Leishmanien...

  • #2

    Anke (Montag, 18 Juli 2016 15:54)

    Liebe Verena; ihr habt die Hälfte geschafft. Diagnose und Behandlung. Durchhalten. Und dann machen wir hier zur Ermutigung einen Artikel. Mit allem.