Joshi Slowhand Müller

Joshi. Ein Video aus der Tötung in Ungarn. Halb verhungert. Ohne Schutz. Im Zwinger auf eisigem Betonboden. Ob er es schafft weiß man nicht.

 

Hallo?! Einpacken! Wie jetzt? Ja. Kommt zu uns. Punkt. O.K.

 

Ich werde nie verstehen wie man seinen Begleiter einfach zum sterben oder in diesem Fall zum töten abgeben kann. Weil kein Platz war, wurde er einfach schutzlos an den Zaun gekettet. 1,5 Meter Eisenkette. Ein Alptraum. Nach dem Einsatz der Tierschützer vor Ort, kam er wenigstens in einen Zwinger. Ohne Decke oder Hütte. Untragbar.

 

Nun ist er seit dem 7. April da. Stinkend. Klapperdürr. Traumatisiert. Man konnte ihn kaum anfassen. Er schrie leidlich, wenn man ihn zum Aufstehen bewegen wollte. Bloß unsichtbar liegen bleiben. Beim füttern am ersten Tag war er so unsicher, dass er sich kaum traute etwas zu nehmen. Unverständnis, dass hier offenbar genug ist und jeder etwas bekommt. Wir hatten 4 Tage zuhause. Mit 4 Hunden. Die neue Ordnung musste sich finden. Adam und Hanga haben großartig mitgearbeitet. Joshi wurde sicherer.

 

Schon in der Zweiten Nacht hörte ich ein Tapern auf den Fliesen. Aufspringen. Zu spät. Hin gepuschert. Ich wische. Langsam fanden wir den Weg in den Garten. Am 3. Tag war es klar. Der Garten ist ein guter Ort. Reinkommen? Wieso reinkommen?

 

Endlich drinnen tapert es wieder des nachts. Schaum vor dem Maul. Der Bauch aufgebläht. Ein Anruf beim tierärztlichen Notdienst. Nein. Man kann nicht kommen. Ich müsste ihn bringen. Allein er ließ sich nicht anfassen. Ins Auto. Undenkbar. Lefax Liquid in eine Spritze gezogen und mit sanfter Gewalt in seine Schnute gespritzt. Die Pupse riechen erbärmlich. Aber er entgast. Stundenlang sitze ich auf dem Boden neben ihm. Dankbare Augen. Er ist schwach. Fast apathisch. Ich weiß nicht, ob der die Nacht überlebt.

 

Am Morgen geht es ihm besser. Er geht allein vor die Tür. Und danach gleich wieder rein. Fressen aus der Hand. Dieses Spiel hatten wir noch ein paar Nächte danach. Wir sind beide müde. Aber er schlägt sich tapfer und will leben. Ich füttere im Garten, um ihn herauszulocken. Es funktioniert. Sein Herz wird sicher. Wenn ich die Leine anklicke steht er auf. Oder auch nicht. Jammernd protestiert er. Ich gebe ihm Zeit.

 

Der erste Tierarztbesuch mit 4 Schäferhunden. Er steigt in den Wagen ein. Und ich dachte es wird ein Problem. Nein. Er liebt es. Aussteigen? Wieso aussteigen? Ab nach vorn und ablegen. Mit sanfter Gewalt und Gegenwehr lässt er sich aus dem Auto ziehen.

 

Wir wiegen ihn. 30 kg. Was? Hammer! Ich betrachte ihn das erste Mal richtig. Dieser Hungerhaken. 20 hätte ich geschätzt. Was muss das mal für ein stattlicher Kerl gewesen sein. Na dann Spot on für Hunde über 30 kg. Seine Wirbelsäule hat Verknöcherungen. Seine Linsen sind trüb. Seine Ohren funktionieren aber einwandfrei. Seine Nase sowieso. Niemand weiß wie lange er leben wird. Der Patient ist stabil.

 

In den folgenden Wochen steht er mit uns auf und startet die Morgenrunde. Nur 200 Meter. Dann geht er zurück. Zur Sicherheit.  Inzwischen schaffen wir einen Kilometer. Langsam. Er macht seinem zweiten Vornamen alle Ehre. Slowhand. Das ist kein Trödeln. Das gehört zur Performance.

 

Inzwischen springt er sogar manchmal ein paar Meter freudig vor Dir her. Er ist sehr süß. Wenn das aufmüpfige Eichhörnchen vorbeigeht wird gebellt. Rauchige, tiefe Töne sind dem alten Knaben zu entlocken. Freundlich begrüßt er Besucher. Wenn ich zum Job aus dem Haus muss, läuft er mit und versucht sich durchs Tor zu drängeln. Geht leider nicht. Eine offene Autotür veranlasst automatisch zum einsteigen. Egal ob es unser Fahrzeug ist.

 

Joshi geht Beifuß und legt sich gehorsam ab. Dieser Hund hatte mal eine exzellente Ausbildung. Er hört auf seinen Namen und leistet wie selbstverständlich Gehorsam. Ein unglaublich angenehmer Zeitgenosse. Er wälzt sich freudig im Gras. Die Nase rutscht durch die grünen Wiesen und man kann das Glück in seinen Augen sehen.

 

Niemand kann sagen, wie lange er uns noch begleiten wird. Wir können nur sagen, dass sein Leben wertvoll ist. Ein Schatz, den wir sicher nicht mehr hergeben. Adam und Hanga haben ihn vom ersten Tag respektiert. Es steht außer Frage, der er gemaßregelt oder kontrolliert wird. Als wir gestern auf dem Rückweg unseres Abendspazierganges waren, hat mein süßer Adam ihn sogar zum Spiel aufgefordert. Er konnte ihn nicht hinreißen, trotz 3 oder 4 Versuchen. Aber Joshi ist voll akzeptiert und integriert.

 

Er wird medizinisch versorgt und die verbleibende Zeit bei uns, werden wir ihm in Würde und Freiheit begegnen. So gehört das einfach.

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Kommentare: 1
  • #1

    Hubert von Wenzl (Samstag, 17 März 2018 00:21)

    Eine wunderbare Geschichte von einem wunderwollen Hund. Jeder Tag mit ihm war kostbar und ein Geschenk.