Endlich Freizeit

Nach 10 seeeehr langen Monaten in einem fordernden Projekt brauche ich Pause. Nach müde kommt blöd. Lange Stunden mit intensiver Problematik. Existentieller Wichtigkeit für 1600 Mitarbeiter und wirklich müden Gehirnwindungen muss ich aufhören. 29.03.2019. Ein Freitag. Projektende. Jihaaa! Endlich Zeit für lange Gassiwege. Es ist kein richtiger Urlaub. Nur endlich die Arbeit zuhause schaffen und Mittagspause halten ohne bis Mitternacht vor einem Rechner zu sitzen und unter Hochdruck Arbeit wegzuschaffen. Das reicht ja. Die Mitarbeiter sind in den Urlaub geschickt. Das Haus ist leer. 10 Tage am Stück. Soweit der Plan.

 

Ein Anruf. Hund. Von der Kette. Schäfi. Groß. Männlich. Kette eingewachsen. Auf den OP Tisch. Das Ordnungsamt will einschläfern, weil man nicht weiß ob er verträglich ist. Ja. Kann kommen. Natürlich. Als ob ich über Leben und Tod entscheide, ohne dem Tier eine Chance zu geben.

 

Ach ja. Ihr seid gleich da. Nix vorbereitet. Eine Kindergittertür ins Badezimmer geschraubt. Eine Plastikwanne aus dem Keller geholt. Kissen rein. Wasser und Futternapf. Alles füllen. Und da sind sie auch schon. Urlaub ist anders.

 

Der Hund ist noch benommen von der narkotischen Behandlung. Maulkorb angezogen, in einem Kofferraum, der gegen ihn klein wirkt. Die Treppe hoch schafft er in dem Zustand nicht. Ich trage ihn. Oha. Mind. 38 kg. Hoffentlich kann er das morgen in einem anderen Zustand. Ausweispapiere, Chipnummern, Medikamente. Alles da. Der Nacken ist ausrasiert. Eine 12 cm lange Naht deutlich sichtbar. Ich nehme ihm den Maulkorb ab. Er trinkt und legt sich nieder. 

 

In der ersten Nacht schließe ich die Badezimmertür. Die kleine Gittertür ist im Ernstfall kein Garant, dass er nicht im Wohnbereich steht und uns alle fressen will. Es bleibt ruhig. Innerlich ist man jedoch unruhig. So sieht also Urlaub aus. Ich gehe die Morgenrunde mit meinen Hunden und füttere. Und dann geht es los. Meine Hunde ins Büro. Neuer Hund vorn raus. Dicke wattierte Jacke und Hose, Handschuhe. Maulkorb auf. Geschirr an. Er grummelt unsicher, ist aber brav. Tür auf. Die Treppe schafft er runter schonmal gut! 

 

Ausgiebig schnüffeln. Ich mache mir Kaffee. Mit Zaun dazwischen entdecken sich die Hunde. Meine Garde ist souverän. Wie immer. Ich beobachte das und bestärke die Hunde darin, dass das hier gut ist. Der Futternapf ist leer. Ich fülle ihn neu. Nach einer Stunde im Garten leine ich ihn wieder an und führe ihn ins Bad. Mir ist unsagbar warm in diesen dick wattierten Klamotten. Aber sicher ist sicher. Drinnen nehme ich den Maulkorb ab und er entdeckt das Futter. Knurrend findet er die Idee richtig doof, dass ich zu nah an eben diesem stehe. Mit einer Hundedecke, die ich über ihn werfe, springe ich erstmal raus aus der Situation. Na das kann ja was werden. Gittertür zu. Pause. 

 

Alles beruhigt sich. Neben das Bad stelle ich den Bambusstab mit 2 Metern Länge. Meine Hunde dürfen rein und sie beschnüffeln sich Face to Face. Es wirkt deutlich freundlicher als gerade beim Futter. Der Bambusstab als verlängertes Werkzeug der auf den Fliesen peitschende Geräusche hinterlässt als Sicherung neben der Tür. Wir brauchen ihn nicht. 

 

Das Spiel wiederholen wir an diesem Tag noch 3 Mal. Die Routine kommt gut. Und auch der neue Schäfi wird sicherer. Klospülung und Staubsauger sind sein Todfeind. Er bricht förmlich zusammen und wird unsicher, was er mit deutlichem Knurren kommentiert. Ich bin inzwischen sicher. Es ist eine ängstliche Reaktion beim Hund. Keine Aggression. Er kennt gar nichts, dennoch verbringe ich die kommenden zwei Tage in wattierten Klamotten. Er trägt Maulkorb aber läuft schon an Tag 2 mit den anderen Hunden zusammen und entdeckt das Grundstück. Fotos dürfen wir keine machen und online stellen. Wir haben uns mit dem Tierheim darauf geeinigt, dass wir den Hund ankommen lassen, bevor wir irgendwas öffentlich machen. Drama raus. Ruhe rein.  

 

Der Hund ist mega klug. Lernt super schnell und total gern! Türen öffnet er. Zäune mit Löchern werden zum durschlüpfen genutzt und das Loch auch nur klein ist, erweitern wir es. Gut, dass ich zuhause bin! Der Knabe entdeckt Löcher, die hier 4 Jahre keiner erahnte. Ich flicke ganztägig um Schafe und Esel zu sichern. Die kennt er nämlich auch nicht und schreit sei erstmal an. 

 

Was über die folgenden Tage  zum Vorschein kommt ist ein toller Hund, der wirklich eine Chance auf echtes Leben verdient hat. Step by Step lernen wir die Grundregeln. Schon bald ist er voll integriert. Nur die 10 Tage sind um. Was ich erarbeitet habe, muss nun von anderen weitergeführt werden. Zumindest tagsüber. Es bleibt aufwühlend und ich habe angespannte Nerven. Überfordere ich die Leute nicht? Nimmt er die anderen genauso an? Weiß ich doch, dass meine Erfahrung sich nicht spontan auf anderen übertragen lässt. Leider klappt es nicht mit allen. Unsere Hundesitterin entwickelt Ängste, die der Hund natürlich spiegelt. 

  

Er bleibt 3 Tage nicht vollwertig betreut. Natürlich sind kompetenten Menschen in Haus

und Hof, die ihn in den Garten lassen. Aber das ist ja nun wirklich nicht Sinn und

Zweck des Ganzen. Also benötigen wir einen neuen Hundesitter. So Leid es mir

tut. Dank ebay Kleinanzeigen ist dieser erstaunlich schnell gefunden. Die

Anleitung sitzt und es klappt. Mit kleinen Verrenkungen und nach einer Woche

vorsichtigem Herantasten sitzen die Handhabungen. Dafür bin ich dankbar! Mit Freizeit hatte das wenig zu tun. Es waren sehr intensive Tage. Ringen um Integration. Die sich voll gelohnt haben! Für den Hund! Nun ist er  vermittelbar und sucht sein zuhause. HIER Mehr Angaben dazu: CEZAR

 

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